Neue Musik für Akkordeon

Steen Pade, Dolf de Kinkelder, Jürgen Ganzer, Magnus Lindberg, Mauricio Kagel, Georg Friedrich Haas

1999 (Vol. 13, 1 CD)


Aus der Rede des Rektors in Brüssel anläßlich der Präsentation des ERASMUS/SOKRATES – Intensivprogramms der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (vormals Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Gras) vor Mitgliedern der Ständigen Vertretung der Europäischen Kommission in Brüssel am 26.5.1998:
Gemeinhin verbindet man wohl mit dem Instrument Akkordeon eine bestimmte Art der Popularmusik. Das Naserümpfen oder Kopfschütteln darüber, an einer Musikhochschule Akkordeon zu studieren – in Österreich ist das derzeit nur in Graz möglich –‚ bat noch nicht völlig aufgehört. Für alle Kenner der Szene ist es jedoch klar, daß das Akkordeon heute im Kanon der künstlerischen Musikinstrumente ein nicht nur ernst- genommenes Instrument ist, sondern eines, das neue kompositorische und klangliche Ausdrucksmöglichkeiten erschließt Die Grazer Hochschule hat 1995/96 ein instrumentenspezifisches ERASMUS-Programm initiiert und in Brüssel beantragt. Das Programm wurde bewilligt und lief im akademischen Jahr 1997/98 aus. Neben der Grazer Hochschule waren beteiligt: die Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, die Hochschule für Musik und Theater in Rotterdam, die Sibelius Akademie Helsinki, das Königlich Dänische Musikkonservatorium Kopenhagen und die Folkwang-Hochschule Essen/Abteilung Duisburg.
Das Projekt wandte sich an Studierende und Lehrende an Hochschulen mit den Fächern Akkordeon, Komposition und Kammermusik. Ziele waren u. a. die Bekanntmachung neuester Kompositionen und Lehrmethoden, die Förderung der europäischen zeitgenössischen Musik und – ganz allgemein – eine kulturelle Vermittlungstätigkeit durch Gesprächskonzerte vor größerem Publikum.
Dieses Akkordeon-lntensivprogramm orientierte sich an einem quasi Meisterkursprinzip. Die Studierenden wurden wie bei Mobilitätsprogrammen von ihren Hauptfachlehrern für die Teilnahme vorgeschlagen. Jeweils 25 Studierende und ihre Instrumentallehrer kamen einmal pro Semester an einer der beteiligten Hochschulen zusammen, um mit den dortigen Lehrenden und Komponisten zu arbeiten. Ein wesentlicher Faktor dieses Vorganges war, daß die Komponisten der zu spielenden Stücke bei der Erarbeitung ihrer Interpretationen mitgewirkt haben.
Die Frage der akademischen Anerkennung der besuchten Veranstaltungen – ein wesentliches Kriterium für ERASMUS/SOKRATES – wurde mit den jeweiligen nationalen Studienkommissionen abgeklärt. Hier hing es sehr von der Bereitschaft der Hochschulen ab, überhaupt neue Wege beschreiten zu wollen. Bei einem jungen akademischen Fach wie Akkordeon schien diesbezüglich eine gute Ausgangslage zu bestehen, da die Curricula noch nicht durch jahrzehntelange Praxis festgeschrieben und erstarrt sind.
Derzeit kann das Fach nur innerhalb der Studienrichtung Gesangs- und lnstrumentalpädagogik (IGP) studiert werden. Die Grazer Kunstuniversität ist aber bestrebt, das Fach Akkordeon als Diplomstudium innerhalb ihrer Ausbildungscurricula definitiv zu verankern.


Otto Kolleritsch, Rektor


Das Akkordeon als junges Konzertinstrument wurde erst in den letzten Jahrzehnten von verschiedenen europäischen Hochschulen in ihr Lehrangebot aufgenommen. Die instrumentenspezifische Originalliteratur stammt dabei von zeitgenössischen Komponisten und ist oft in Zusammenarbeit mit hervorragenden Akkordeonisten entstanden. Da viele der neuen Werke noch nicht verlegt und auch noch nicht auf Tonträgern erhältlich sind, besteht ein großer Bedarf an diesbezüglichem Informationsaustausch. In verschiedenen Hochschulen bildeten sich außerdem durch die Persönlichkeit der Klassenleiter unterschiedliche Ausbildungswege und -ansätze, In den Studienjahren 1995/96 bis 1997/98 fand pro Semester jeweils ein einwöchiges lntensivprogramm an einer der beteiligten Hochschulen als Vollzeitkurs statt. Dieser wurde von den jeweils an der veranstaltenden Hochschule tätigen Akkordeonlehrern organisiert und gemeinsam mit Kollegen und Komponisten durchgeführt.

Das auf dieser CD dokumentierte Programm wurde mit Unterstützung der Kommission der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des ERASMUS/SOKRATES-Programms durchgeführt.


 

Titelliste:
 

  • Steen Pade (* 1956)
    Udflugt med omveje (1984) [9’05”]
    Martin Veszelovicz

  • Dolf de Kinkelder (* 1953)
    Als je d’r van houdt… (1996) [9‘31“]
    Trompete: Martin Angerer, Akkordeon: Angelika Schlager

  • Jürgen Ganzer (* 1950)
    Phantasie 84 (1984) [7‘34“]
    Gerd Wildbacher

  • Magnus Lindberg (* 1958)
    Jeux d’anches (1990-91) [8‘01“]
    Hubert Kellerer

  • Mauricio Kagel (* 1931)
    aus zungen stimmen (1972) [7‘04“]
    Sylvia Lichtenegger, Uwe Schmidt, Angelika Schlager, Hubert Kellerer, Margit Painsi

  • Georg Friedrich Haas (* 1953)
    „….“ (1994) für Akkordeon, Bratsche und Kammerensemble [12‘48“]
    Akkordeon: Krassimir Sterev, Bratsche: Lucas Schurig, Ensemble für Neue Musik der Abteilung 1, Dirigent: Edo Micic