Neue Chormusik

Giacinto Scelsi, Gerd Kühr, Beat Furrer, Klaus Lang, Rubert Huber

1999 (Vol. 14, 1 CD)


Mit einem neuen, die österreichischen Kunsthochschulen regelnde Gesetz wurden mit 1. Oktober 1998 die bisherigen drei bildnerischen und drei Musikhochschule in „Universitäten der Künste“ umbenannt. Wenn die Hochschule durch ihre Ausbildungsinhalte zweifellos einen universitären Charakter auch bis dato schon tradierten, so ist diese Umbenennung als ein wichtiger Akzent für die Bedeutung der Kunst im internationalen Bildungsgefüge zu sehen: ein Zeichen, das den Stellenwert der Kunst, sowohl europäisch als auch global, ins Zentrum rückt und weniger durch den Druck des Ökonomischen als peripheres Phänomen erscheint.
Mit dieser universitätseigenen CD-Reihe wollen wir unseren Studierenden die Möglichkeit eröffnen, ihre „Klangdebüts“ dokumentieren zu können. Der technische Vorgang der Aufnahme ist dabei als ein wichtiger Bestandteil einer zeitgemäßen Ausbildung zu sehen. Da an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz auch Toningenieure ausgebildet werden, liegt hier zugleich das Ergebnis eines Teamworks zwischen den im künstlerischen und aufnahmetechnischen Bereich Studierenden vor.
Gemäß dem gesetzlichen Auftrag werden unsere Instrumentalisten als Orchestermusiker, Kammermusiker und Solisten ausgebildet. Auf unseren bisherigen CDs haben wir vorwiegend instrumentale Leistungen der Studierenden sowie Ausschnitte aus den Opernproduktionen der letzten Jahre präsentiert. Die hier vorgelegte CD stellt nun das Ergebnis der Arbeit von Rupert Huber (1996/97 und 1997/98 Gastprofessor für Chordirigieren) mit Studierenden der Abteilung für Komposition, Musiktheorie und Dirigentenausbildung vor. Die Stücke von Beat Furrer, Gerd Kühr und Klaus Lang entstanden eigens für diesen Anlaß.


Otto Kolleritsch, Rektor


Das Motto für diese CD ist ein zweifaches:

1. Bei der Arbeit mit einem Sängerensemble gibt es immer wiederkehrende technische Probleme: Intonation, Lagenausgleich in Klangqualität und Dynamik, Vibratokontrolle, chorischer Atem und die psycho-somatische Bereitschaft. Diese Schwierigkeit werden Dirigierstudenten am besten bewußt, indem sie sie an sich selbst erfahren und aufarbeiten lernen, d. h. indem sie selbst einen Klangkörper bilden. Es galt also, Stücke zu finden bzw. anzuregen, die von so einem kleinen, aus sängerischer Sicht zufällig zusammengesetzten Ensemble seriös aufzuführen waren. So schrieben mehrere Komponisten der Grazer Hochschule für Musik und darstellende Kunst quasi einstimmige Stücke für uns.

2. Durch das gesamte Studienjahr 1996/97 wurde eine Debatte darüber geführt, welche Auffassungen des Begriffes Zeit möglich sind und wie sie sich in der Musik niederschlagen. Vereinfacht gesehen, steht so einem physikalisch-architektonische, funktionalen ein persönlich-subjektiver, linearer gegenüber. Letztere Art von Zeit „ist ihrem Wesen nach reversibel, insofern sie eine mythische Urzeit ist, die wieder gegenwärtig gemacht wird… sie ist somit unendlich oft wiederholbar. Man könnte sagen, daß sie nicht ‚abläuft‘, keine irreversible ‚Dauer‘ darstellt. Sie ist eine ontologische, eine ‚parmenidische‘ Zeit, die sich immer gleich bleibt, die sich weder verändert noch erschöpft.“ (Mircea Eliade: Das Heilige und das Profane).
Die Stücke dieser CD mögen das belegen.


Rupert Huber


 

Titelliste:
 

  • Giacinto Scelsi (1905-1988)
    Drei lateinische Gebete
    Ave Maria [4:04], Pater Noster [2:13], Alleluja [4:13]

  • Gerd Kühr (geb. 1952)
    Scala quasi unisona (1997)
    Chorstück für mindestens 2 SängerInnen oder besser mehr [4:21]

  • Beat Furrer (geb. 1954)
    Psalm [5:11]

  • Klaus Lang (geb. 1971)
    Die Wimpern des himbeerfarbenen Mondes/Marienau
    Trauermusik für Vokalensemble [11:38]

  • Rupert Huber (geb. 1953)
    Modem2 for Doris and Rupert
    für einstimmigen Gesang und Schalenglocke [16:55]
    Vokalensembles aus Studierenden der Ausbildungsklasse für Chordirigieren