Lancelots Spiegel

Kammeroper von Burkhard Friedrich

Gesangssolisten und Opernorchester KlangImPuls der KUG

2004 (Vol. 26, 1 CD)


Im Kulturhauptstadtjahr 2003 fand am 19. November die dritte Uraufführung als Ergebnis des Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerbes, eingerichtet zwischen der Kulturabteilung des Amtes der Steiermärkischen Landesregierung und der Kunstuniversität Graz, statt. Das Werk war „ Lancelots Spiegel“ von Burkhard Friedrich. Vorausgegangen waren die Uraufführungen der bisher preisgekrönten Opern, und zwar „Requiem für Fanny Goldmann“ (1998) von Mia Schmidt und „Kriton“ (2000) von Tomaz Svete. Die Entscheidung traf eine interne Jury der Kunstuniversität Graz unter dem Vorsitz des Rektors und der Patronanz Hans Werner Henzes, einem Ehrenmitglied dieser Universität.
Der Dirigent der Aufführung bzw. dieser Einspielung ist Wolfgang Schmid. Die vorliegende Aufnahme ist ein vom ORF, Landesstudio Steiermark gemachter Live-Mitschnitt, der in der Sendung ZEIT-TON am 9. Dezember 2003 im Österreichischen Rundfunk auf 01 ausgestrahlt wurde. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28. November 2003 schrieb Gerhard Koch: „…Und die Aufführung der Grazer Kunstuniversität war vokal, instrumental und szenisch (Christian Pöppelreiter) ein beeindruckendes Erlebnis.“

Mythen sind Symbole für Seins-Erfahrungen. Sie zu deuten, führt näher zur Realität als je Ideen dort sich vermuten dürfen. Das künstlerische Werk als Interpretation der Wirklichkeit und Interpretation eines künstlerischen Werkes im jeweiligen Jetzt erzählen von Erfahrungen, von Vergangenem in Bezug auf die Gegenwart. Was Inszenierungen musiktheatralischer Werke in moderner: postmoderner Zeit uns vorführen ist: Nicht an ein Richtiges zu glauben, auf es sich zu berufen, es zu bestätigen, sondern zu zeigen, dass der existenzielle Beweggrund eines künstlerischen Ereignisses nicht aus der Geschichte entlassen werden darf.

„Lancelots Spiegel“ ist ein Beziehungsbefindlichkeits-Stück. Der Protagonist versucht aus einer Präformierung, die ihm gleichsam angetan wurde, zu entkommen. Immer ist er auf der Flucht seine Identität suchend. Das Gegenwärtige ist hier nicht politisch. Der Komponist will zeigen, dass die Menschen vor 2000 Jahren dieselben Probleme haften und dass es Transformationen sind, die stattgefunden haben und nicht Entwicklungen. Musik weiß in ihrer Fähigkeit, sich auf Beziehungsbefindlichkeiten einzulassen, dass der Mensch nicht gemacht ist, die ganze Wahrheit zu haben. Aber die Annäherung an sie, die will sie nicht verkümmern lassen, sondern tiefer zur Erregung bringen.


Otto Kolleritsch, Rektor


 

Titelliste:

  • Lancelots Spiegel
    Kammeroper von Burkhard Friedrich
    Introduktion [2.43], Prolog [6.36], 1. Szene [11.23], 2. Szene [13.33], 3. Szene [13.21], 4. Szene [6.09], Applaus [0.47]
    Gesangssolisten und Opernorchester KlangImPuls der Kunstuniversität Graz, Dirigent: Wolfgang Schmid, Produktion 23.11.2003, Theater im Palais der KUG, ORF Landesstudio Steiermark