Il Re Cervo oder Die Irrfahrten der Wahrheit

Hans Werner Henze; Oper in drei Akten von Heinz von Cramer Gesangsstudierende und Opernorchester KlangImPuls der KUG; Musikalische Leitung: Wolfgang Schmid
2007 (Vol. 32, 3 CDs)


Die „Klangdebüts“ bringen Aufnahmen mit sehr jungen Künstlerinnen und Künstlern, fast ausschließlich Studierende der Kunstuniversität Graz. Bewusst haben wir im Mozartjahr 2006 den großen zeitgenössischen Opernkomponisten Hans Werner Henze in unser kunstuniversitäts-spezifisches Motto „Tradition und Moderne“ mit „Il re cervo“ einbezogen.
Dies aber nicht, um etwas von der „exzentrischen Garnitur unserer Kultur“ (Wolfgang Rihm) vorzuweisen, um zu zeigen, dass wir diese eben auch haben, vielmehr: zeitgenössische Musik von jungen Menschen aufgeführt, die dann tatsächlich zu einem kulturellen Besitz wird, mit dem man lebt, und künstlerisch umzugehen versteht.
Hans Werner Henze ist Ehrenmitglied der Kunstuniversität Graz. Er, der weltweit herausragende Komponist einerseits, und andererseits: in den 80er Jahren war es Hans Werner Henze, der den steirischen herbst – mittlerweile kein unbekanntes Festival neuer Kunst – in Schwung gebracht hat. Ihm hat er als künstlerischer Mitgestalter den nachhaltigen Auftrag erteilt, kulturpolitische Spuren des Innovativen finden zu müssen und finden zu wollen. Mit dem Jugendmusikfest Deutschlandsberg und der Mürztaler Werkstatt hat er Wurzeln für eine neue, bisher nicht bekannte Ernte in die steirische Erde gesetzt (siehe die Beiträge von Barbara Faulend-Klauser/Deutschlandsberg, Ernst Smole/Mürzzuschlag und Gerd Kühr im Inneren des Booklets).

Über die steirischen herbste hinaus setzte und setzt das Land Steiermark Impulse. Der von der KUG Ende der 90er ausgerichtete „Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerb“ im Dreijahresrhythmus, mit Hans Werner Henze als spiritus rector der Jury, hat die Studierenden des Instituts für Musiktheater bislang vor die Aufgabe gestellt, drei Uraufführungen zu bewältigen: 1998 „Requiem für Fanny Goldmann“ von Mia Schmidt, 2000 „Kriton“ von Tomaž Svete und 2003 „Lancelots Spiegel“ von Burkhard Friedrich.
2007 wird das 4. Werk dieses Opernkompositionswettbewerbs „Lies and Sorrow“ von Mauro Montalbetti zur Aufführung gebracht.

Mit ihrer Aufführungsserie von „Il re cervo“ vom 10.-24. Mai 2006 – alle Abende waren ausverkauft – ist Henzes Oper zum ersten Mal in Österreich in Szene gegangen, und die vorliegende CD ist auch eine erste Aufnahme dieses Henze’schen Werkes.
Alle haben wir unsere Freude gehabt, den Prozess der Annäherung der blutjungen SängerInnen und InstrumentalistInnen hin zu einer sich steigernden künstlerischen Begeisterung zu erleben.
Die Steiermärkische Landesregierung ermöglicht seit 1998 den „Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerb“. Kurt Flecker, heute Landeshauptmannstellvertreter und Kulturlandesrat, hat den Aufbruch mit Hans Werner Henze in der Steiermark in den 80er Jahren offenbar bewusst miterlebt. Dass die Bitte des Rektors, die CD-Produktion von Henzes „Il re cervo“ zu subventionieren von der Steiermärkischen Landesregierung positiv entschieden wurde, ihr heutiger Kulturlandesrat den Antrag dafür gestellt hat, ist ein erfreuliches Zeichen aus kultureller Erfahrung geleiteter Politik. – Es dankt die Kunstuniversität Graz. Es danken die jungen Mitwirkenden. Sie werden diese Aufnahmen für ihre weiteren Karriereschritte brauchen können.

Der Rektor dankt dem musikalischen Leiter Wolfgang Schmid, dem szenischen Leiter Christian Pöppelreiter und allen, die bei der Einstudierung dieser Produktion mitgewirkt haben. Jiri Pospichal ist nicht allein ein bekannt guter Aufnahmeleiter, sondern auch, wie sich herausgestellt hat, jemand, bei dem die jungen Künstlerinnen und Künstler für sie unentbehrlich Wichtiges lernen konnten.
 

Otto Kolleritsch, Rektor


 

Titelliste:
 

  • Disc 1 I. Akt (Total time: 58:41)

  • Disc 2 II. Akt (Total time: 48:32)

  • Disc 3 III. Akt (Total time: 33:58)